14. Oktober 2026

Internationales Kolloquium/Fachtagung „Künstler als Brückenbauer – Vordenker hin zu einem vereinten Europa – grenzüberschreitende Kulturvermittlung als Instrument der Völkerverständigung“

Am 11. Bis 14. August 2003 fand in Riga internationales Kolloquium/Fachtagung  Künstler als Brückenbauer – Vordenker hin zu einem vereinten Europa – grenzüberschreitende Kulturvermittlung als Instrument der Völkerverständigung. Die Tagung war dem 200. Todestag von Johann Christoph Brotze (1742-1823) gewidmet.

Die Eröffnung der Fachtagung fand in der alten St.-Gertrud-Kirche statt. Unter der Redner waren: Dr. Ernst Gierlich, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebener; Christian Heldt, Deutscher Botschafter in Lettland; Anatolii Kutsevol, Ukrainischer Botschafter in Lettland.

Nach den Grußworten folgte Liederfest der deutschen Minderheit im Baltikum als Europäisches Friedenskonzert mit Chören aus Estland, Lettland und Litauen sowie aus der Ukraine (Mukatschewo) unter der Schirmherrschaft der Staatssekretärin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund Lucia Puttrich. Den Verein der Deutschen in Klaipėda und somit Litauen hat der Ensemble des Hermann-Sudermann-Gymnasiums unter der Leitung von Asta Alminė repräsentiert.

Am 12. und 13. August konnten die Teilnehmer in der Akademischen Bibliothek der Universität Lettlands Vorträge zu den Themen Das Baltikum als Bildungslandschaft“ (Prof. Dr. Andris Levans, Riga), Deutschbaltische Musiker im Baltikum (Helmut Harry Scheunchen, Esslingen), Deutschbaltische Literatur im Baltikum (Prof. Dr. Axel E. Walter, Eutin/Vilnius), Adliges Leben im Baltikum, Herrenhäuser in Lettland und Estland (dr. Agnese Bergholde-Wolf, Herder Institut Marburg), Übersetzer als kulturelle Vermittler (Julia Boguna, Germersheim). Interessante Impulse für Podiumsdiskussion gab Eglis Levits, Staatspräsident a.D. von Lettland.  

Besonderes Interesse galt dem Vortrag von Dr. Aija Taimina (Akademische Bibliothek der Universität Lettlands) über Johann Christoph Brotze als Brückenbauer zwischen Görlitz in Niederschlesien (heute Freistaat Sachen) und dem Baltikum. Es wurde ausführlich über sein Leben, Wirken und Werk, das heute eine wertvolle Quelle für Historiker ist, berichtet. J. Ch. Brotze veröffentlichte mehr als 100 Aufsätze zur Geschichte der Ostseegouvernements. Die Sammlung verschiedener Liefländischer Monumente ist ein einzigartiges Dokument, das  ausführliche, mit Zeichnungen und Bildern veranschaulichte Beschreibungen von mehr als 2.000 Gebäuden, Gräbern, Wappen usw. umfasst, die heute oft nicht mehr existieren. Die Teilnehmer und Gäste der Fachtagung hatten eine einmalige Gelegenheit, originale Arbeiten (Zeichnungen, Abschriften der originalen Dokumente, Pläne, Wappen etc.) von J. Ch. Brotze zu sehen und von Dr. A. Taimina erklärt zu bekommen.

Im Rahmen der Tagung fanden zwei Podiumsdiskussionen statt. Über die Bedeutung der baltischen Literatur im grenzüberschreitenden verständigungspolitischen europäischen Kontext diskutierten Prof. Dr. Maris Saagpakk (Tallin), Dr. Jost Eickmeyer (Eutin) und Prof. Dr. Axel E. Walter (Eutin/Vilnius).

An der öffentlichen Diskussion nahmen teil: Egils Levits, Staatspräsident a.D. von Lettland, Ilze Garda, Vorsitzende des Verbandes der Deutschen in Lettland, Wolodymir Leysle, Vorsitzender des Rates der Deutschen der Ukraine, Bernard Gaida, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (ADGM) in der FUEN, Dr. Aija Taimina, Akademische Bibliothek der Universität Lettlands, Prof. Dr. Axel E. Walter, Direktor Eutiner Landesbibliothek., Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebener, Dr. Olga Martens, Internationaler Verband der deutschen Kultur (IVDK).  

Zu der Fachtagung wurden auch Vertreter des Vereins der Deutschen in Klaipėda Arnold Piklaps und Rasa Miuller eingeladen. Marta Einars begleitete die Schülergruppe.

Veranstalter: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Partner vor Ort: Verband der Deutschen in Lettland.